Bioplastik – eine nachhaltige Alternative?

April 2021

Es ist nun soweit: Am 03.07.2021 wird der Verkauf von Plastikstrohhalmen und Plastikeinwegbesteck in der EU verboten. Ein kleiner symbolischer Schritt, um die Müllflut an Plastik zu begrenzen, die unsere ganze Umwelt belastet und zerstört. Plastik setzt gerade den Weltmeeren stark zu, die die Grundlage bilden für die Ernährung von hunderten von Millionen Menschen weltweit.

Was macht Plastik so schädlich für die Umwelt?

Plastik zersetzt sich leider nicht, wie z.B. ein abgestorbener Baum in einem Wald, der wiederum die Lebensgrundlage wird für zahllose andere Lebewesen. Eine Plastikflasche zerfällt in Mikroplastik, das dauert leider mehrere Jahrhunderte, und ist sogar für die Umwelt schädlicher als die intakte Plastikflasche, da die Plastikpartikel von Lebewesen aufgenommen werden und in den Stoffwechsel eingreifen. Aktuell geht die Forschung davon aus, dass Mikroplastik sich niemals je ganz auflösen wird. Gerade der Hormonstoffwechsel ist davon betroffen, was wahrscheinlich Auswirkungen auf die Fortpflanzungsfähigkeiten von Lebewesen hat, und dadurch unmittelbar zurückwirkt auf die Welternährung. Mikroplastik wird außerdem sehr schwer ausgeschieden, es lagert sich im Organismus ab, und wandert die ganze Nahrungspyramide nach oben. Auch in jedem Menschen lassen sich Ablagerungen von Mikroplastik finden. Die Gefahren von Mikroplastik sind noch nicht vollkommen erforscht, aber eine eindeutige Tendenz ist leider sichtbar.

Das beschlossene Verbot der EU bleibt eine richtige Entscheidung, ist aber leider in Anbetracht des weltweit hergestellten Plastiks nur ein marginaler politischer Eingriff, um das Problem der Umweltverschmutzung durch Plastik zu lösen. Der weltweite Plastikkonsum wird dadurch kaum reduziert. Viel wichtiger als das Verbot selbst, ist die Setzung einer rechtlichen Norm, an der sich bei zukünftigen Gesetzesvorhaben orientiert werden kann.

Quelle: Plastikatlas

Plastikspielzeug – Kunststoffe in der Spielwarenindustrie

Die Spielwarenindustrie geht leider nicht mit gutem Vorbild voran. Ganz im Gegenteil: Die Spielwarenindustrie verbraucht umgerechnet auf den Umsatz der Branche besonders viel Plastik. Zwar müssen Artikel, die überwiegend von Kindern genutzt werden, besondere Richtlinien einhalten, so dass Kinder keine Giftstoffe aufnehmen wie Weichmacher und Schwermetalle, die krebserregend sind und zur Unfruchtbarkeit führen können, jedoch kommt es regelmäßig zu „Skandalen“, da die Überprüfung durch die zuständigen Behörden oft nicht ausreicht. Jeder Öko – oder Warentest ist ein Bericht des Grauens. Die Marktlogik fördert den Verbrauch zusätzlich: Spielzeug wird nicht mehr zur Habseligkeit, das einem durch die ganze Kindheit begleitet, an dem man in unterschiedlichen Entwicklungsphasen sich selbst neu entdeckt und ausprobieren kann, sondern zur billigen Ramschware, die stetig neu erworben werden muss, da der Markt immer wieder neue Trends setzt, oder aktuelle Moden aufnimmt, um die Verkaufszahlen zu steigern. Die Haltbarkeit ist begrenzt, reparieren ist in den meisten Fällen unmöglich, das Spielzeug wird zu Müll, der nicht wiederverwertet werden kann. Die mediale Begleitung und Umdeutung von traditionellen Feiertagen unterstützen diesen Trend: Ostern wird zum Frühlingsweihnachten.

Quelle: Plastikatlas

Welche Werkstoffe nutzt TicToys als Alternativen zu Plastik?

Aus unserer 10-jährigen Erfahrung als Spielzeugmanufaktur haben wir schon mehrfach nach Alternativen zu Plastik gesucht, da für uns gutes Spielzeug langlebig, umweltschonend und vor allem keine Inhaltsstoffe enthalten soll, die auch nur in den Verdacht kommen für Kinder und Erwachsene gesundheitsschädlich zu sein. Deswegen stellen wir unser Spielzeug aus Naturmaterialien wie Holz oder Kartonage her. Plastik besitzt jedoch einige Vorteile: Es ist äußerst leicht, man kann aus Plastik fast alles modulieren (was ja auch der Name „Plastik“ aussagt… ), es ist wasserabweisend, steril, leicht zu reinigen und vergleichsweise preisgünstig, da die externen Kosten, die Kosten die die Allgemeinheit z.B. für die Entsorgung tragen muss, nicht im Produktpreise eingerechnet werden. Mit Holz oder Kartonage ist es leider nicht immer möglich all unsere Spielzeugideen umzusetzen, traditionelle Naturmaterialien haben leider ihre Grenzen. So haben wir für unser Ringwurfspiel „Tualoop“ mit Holzringen experimentiert. Leider waren diese recht steif und schwer, was den Spielspaß beeinträchtigt hat, da die Ringe schnell brachen und man sich verletzen konnte. Wir haben uns aber nicht entmutigen lassen und sind auf die Firma Tecnaro aufmerksam geworden, die das so genannte „flüssige Holz“ entwickelt hat.

Bei jeder Industrieproduktion fallen Restprodukte an, die man nicht mehr für das gewünschte Produkt verwenden kann. Dies ist auch in der Ethanolherstellung so. Aus diesen Resten haben wir mit dem Team von Tecnaro einen Werkstoff entwickelt, der die Vorzüge von Plastik und die Umweltfreundlichkeit von Naturmaterialen vereint. Der Ring unseres Ringwurfspieles „Tualoop“ und unser Konstruktionsspielzeug „Binabo“ bestehen aus diesem Material, das gespritzt werden kann, und aus Zucker und Holzfasern besteht. Dieser Werkstoff ist zu 100% pflanzlich. Innerhalb der Spielwarenbranche gehörten wir mit dieser Idee 2014 noch zu den Pionieren. Langsam zeichnet sich aber ein Wandel ab: Mittlerweile arbeiten auch Branchengrößen daran nachhaltiger zu produzieren.

Welche weiteren Alternativen gibt es zu Plastik? Und was verbirgt sich hinter dem Begriff “Biokunststoff”?

Wenn von „Biokunststoffen“ berichtet wird, werden oft zwei Dinge miteinander vermischt und verwechselt:

1. Biologisch abbaubare Kunststoffe

Biologisch abbaubare Kunststoffe sind Kunststoffe, die sich bei geeigneten Rahmenbedienungen zersetzen. Unterschieden wird dabei in „abbaubare“ und „kompostierbare“ Materialien bzw. Produkte. Der wesentliche Unterschied besteht vor allem im Faktor Zeit. Während abbaubare Kunststoffe sich nur über einen längeren Zeitraum und oft nur unter optimalen Bedingungen (z.B. industrielle Kompostieranlage) zersetzen, müssen kompostierbare Kunststoffe innerhalb von 90 Tagen zu mindestens 90 % zersetzt sein.
Ein Beispiel für einen solchen heimkompostierbaren Kunststoff ist die auf Maisstärke basierende Verpackung für unser Binabo – Starterset (24 Chips). Dabei braucht man keine Angst zu haben, im Trockenen (z.B. im Schrank zu Hause) zersetzt sich der Kunststoff nicht – aber wenn man ihn im Garten in die Erde steckt auf jeden Fall. Es entsteht dabei auch kein Mikroplastik!

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Beispiel für abbaubaren Kunststoff: Verpackung Binabo – Starterset

2. Biobasierte Kunststoffe

Im Gegensatz zu abbaubaren Kunststoffen sind „biobasierte“ Kunststoffe beständig. Bio steht hier für den pflanzlichen Ursprung des Materials. Anstelle von Rohöl, basieren sie auf so genannten „Biopolymeren“, die je nach den gewünschten Eigenschaften aus verschiedenen Pflanzenbestandteilen gewonnen werden können. Die Eigenschaften sind dabei identisch wie die von herkömmlichem Plastik, weswegen sich das Material auch optisch und haptisch oft kaum voneinander unterscheiden lässt. Oft bestehen biobasierte Kunststoffe nur zu einem gewissen Anteil aus pflanzlichen Rohstoffen, ein gewisser Bestandteil an petrochemischen Rohstoffen wird immer beigemischt.

Ein „Hexenwerk“ ist es wirklich nicht, Kunststoffe zu 100% aus nachwachsenden Rohstoffen zu gewinnen, wie u.a. die Firma Tecnaro, mit der wir zusammen einen Werkstoff entwickelt haben, aus Baden-Württemberg beweist.
Der Werkstoff, den wir für den Tualoop-Ring und unsere Binabo Chips verwenden, basiert aus Biopolymeren aus Zucker und wird zusätzlich durch Fichtenholzfasern verstärkt. Das Material ist damit zu 100% aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt!

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Beispiel für biobasierten Kunststoff:
Unser Konstruktionsspiel Binabo

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Tecnaro, der Hersteller unseres Biomaterials und der Entwickler des “flüssigen Holzes” im Wissenschaftsmagazin Galileo.

Bioplastik – Kritik und Chancen

Bioplastik ist kein „Allheilmittel“ zu mehr Nachhaltigkeit; es gibt durchaus auch Aspekte, die durchdacht und hinterfragt werden müssen. Oft wird kritisiert, dass durch die Produktion von Biokunststoffen der Flächenverbrauch steigen würde, und dadurch eine Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion entstehen würde. Für unseren Biowerkstoff können wir aber entgegnen, dass der Rohstoff ein Abfallprodukt der Ethanolgewinnung ist, der nach der 3. Pressung des Zuckers übrig bleibt. Das Material wird aus Resten gewonnen, und ist eine Form des klugen Recyclings.

Die Landflächen, die weltweit für die Produktion von Biokunststoffen benutzt werden, liegen laut Plastikatlas der Böllstiftung derzeit bei 0,02% der weltweiten Landwirtschaftsflächen. Selbst wenn Biokunststoffe herkömmliches Plastik komplett ersetzen sollten, würden dafür lediglich 2-3% der weltweiten Landwirtschaftsflächen in Anspruch genommen werden.
Trotzdem stellen sich natürlich weitere Fragen zur Nachhaltigkeit der Materialien.
Klar ist: eine deutliche Reduktion der weltweiten Plastikproduktion und dessen Verbrauch ist notwendig, ein alleiniger Umstieg auf Biokunststoffe wird nicht ausreichen um beispielsweise die Verschmutzung der Ozeane zu stoppen.

Trotzdem haben wir bei der Verwendung von Bioplastik ein reines Gewissen: Einer der Hauptvorteile für uns ist, dass – im Gegensatz zu herkömmlichem Plastik – der natürliche Kreislauf geschlossen bleibt. Bei herkömmlichen Kunststoffen wird spätestens bei der Müllverbrennung langfristig gespeichertes, zusätzliches CO2 frei gelassen, bei Biokunststoffen lediglich das in der Pflanze veranlagte. Biologisch abbaubare Kunststoffe verursachen zudem kein Mikroplastik!

Wir sind davon überzeugt, dass selbst bei berechtigten Kritikpunkten es auch wirtschaftliche Akteure braucht, die solche in Wissenschaft und Forschung entstehende Materialinnovationen in Produkte umsetzen. Das Material muss für Verbraucher erlebbar und anfassbar werden und für die Materialhersteller nicht zuletzt auch profitabel. Nur dann sind weitere Entwicklungen möglich, die uns hoffentlich auf einen noch nachhaltigeren Weg führen.

Literaturtipp

Ihr habt Interesse am Thema Kunststoffe und Nachhaltigkeit gefunden? Als Literaturtipp können wir euch den Plastikatlas der Heinrich-Böll-Stiftung ans Herz legen!

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